Programm 2011

Romantischer Donnerstag

Mit den zwei Odenwälder Spitzbuam ab 19:00 Uhr

Rahmenprogramm

Was Wann Wo
Traditionelle Eröffnungszeremonie Samstag
14 Uhr
Marktplatz
Eröffnung Samstag 
15.30 Uhr
Wiesenalm
Spielfest Mittwoch
14 Uhr
Pferderennbahn
Feuerwerk Sonntag & Mittwoch
22.30 Uhr
auf dem Wiesenmarkt
Reit und Springtunier Sonntag & Montag
8 Uhr
Erbacher Sportpark
Familientag Donnerstag
14 Uhr
Wiesenmarkt
Pferderennen letzter Sonntag Pferderennbahn

Familiengeschichte

Wappen

Die Geschichte der Schaustellerfamilie Hausmann kann guten Gewissens mit dem Slogan„Frauen stehen ihren Mann” überschrieben werden. Vor 120 Jahren erblickte die erste dieser starken weiblichen Persönlichkeiten in WaldAmorbach das Licht der Welt: Gertraute Hausmann, genannt„es Treitsche", geborene Uhrig, verwitwete Scheidler. Im Jahre 1900 stand sie mit einem Bauchladen zum ersten Mal auf dem Erbacher Wiesenmarkt und bot Süßwaren und Spielzeug feil, ihr damaliger Ehemann Mathäus Scheidler verkaufte Ausrüstungen für Pferde.

Nach seinem frühen Tod sorgte die Witwe als resolute und tatkräftige Frau für sich und ihre drei Kinder. Eines Tages half ihr ein gewisser Zugschaffner namens Heinrich Hausmann beim Aussteigen, um die Körbe und Taschen für den Marktbesuch aus dem Zug zu schaffen. Zwischen den beiden funkte es, so dass die zweite Hochzeit vom Treitsche nicht lange auf sich warten ließ. Das Paar siedelte nach Darmstadt um, so wurden die Anfahrten zu den Volksfesten kürzer. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, alle setzten die Tradition des Schaustellerberufs ihrer Mutter fort, waren sie doch schon früh damit in Berührung gekommen. Die Schule war jeweils am Ort des Marktgeschehens zu besuchen, der Nachweis wurde in einem Schulbuch geführt. Mit Hunde- und Pferdefuhrwerk ging es über Land. Geschlafen, gewohnt und verkauft wurde im so genannten Bockstand, einer Konstruktion aus Holzböcken, Zeltstangen und Planen.Vom Treitsche stammt folgende Erzählung:,,Da es früher keine Wohnwagen gab, ließ die Stadt ein paar Ballen Stroh abwerfen, darauf haben wir geschlafen. Oft mussten wir unsere Kinder frühmorgens suchen, da sie im Stroh heruntergerutscht waren".

Nachdem im Zweiten Weltkrieg der Ehemann, die älteste Tochter und ein Enkelkind in der Bombennacht von Darmstadt zu Tode kamen, betrieb Gertraute Hausmann im Alter von über 60 Jahren mit zwei Töchtern und Enkelkindern wieder einen Zucker- und Spielwarenstand. Damit wurde gleich 1947 der Erbacher Wiesenmarkt besucht. Noch heute steht Urenkel Jürgen mit dem Zuckerwagen auf dem gleichen Platz wie es Treitsche damals. 1964 verstarb die Seniorin.

Ihre Söhne machten sich nach dem Krieg selbständig, so kam Fritz erst mit Eis, dann mit Zucker- und Spielwaren, später mit einem Imbissbetrieb nach Erbach. Seit Ende der sechziger Jahre erweiterten die Enkelkinder ihre Unternehmungen wie mit Kinderkarussell, Autoscooter und Schützenstand. Während des Wiesenmarkts 1973 konnte die Familie Hausmann gar einen echten Erbacher Bub als Stammhalter begrüßen - er wurde in der Stadtkirche getauft. Im gleichen Jahr - Freud und Leid liegen oft dicht beieinander - verstarb Fritz Hausmann. Ehefrau Else und die Söhne Heinrich, Manfred, Edmund und Wenzel sowie deren acht Kinder setzen seitdem die Familientradition fort. Wie erwähnt, fanden sich unter den Marktangeboten der Familie Hausmann von Anfang an süße Schleckereien, die nach wie vor niemand missen möchte. Deshalb sei an dieser Stelle auf den Wandel im Umgang mit Zucker erinnert: Noch im 18. Jahrhundert war Zucker eine Ware in erster Linie für den Adel, eine kostspielige Delikatesse besonderer Art. Der Einschnitt kam 1806, als Napoleon mit der Kontinentalsperre jeglichen Handel mit England unterband; britische Schiffe durften die kontinentalen Häfen nicht anlaufen, somit gab es keine Waren aus den Kolonien mehr.

Die Not schien erfinderisch zu machen, denn es entstand die Herstellung von Zucker aus Rüben. Damit wurde der süße Stoff auch für die breite Bevölkerung erschwinglich, denn überall in Deutschland entstanden Zuckerfabriken, darüber hinaus gelang es den Rübenzüchtern, den Zuckergehalt der Feldfrüchte deutlich zu steigern. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Zucker zu einem deutschen Exportschlager, eine starke Konkurrenz zum herkömmlichen Rohrzucker.

Früher entschied das Geschick der Marktbeschicker bei der Herstellung süßer Köstlichkeiten über die Zufriedenheit der Kunden. Heute können beispielsweise übers Internet die ausgefallensten Modelle süßer Naschereien bestellt werden. Doch leider schafft es noch kein Computer, dem Interessenten eine Kostprobe direkt ins Haus zu holen. Wie anders hingegen werden die Sinne angesprochen, wenn am einschlägigen Stand die beliebte Zuckerwatte als optisch gelungener Wickelkleister vor den zuschauenden Augen entsteht, das Popcorn richtig poppt, die frisch gebrannten Mandeln und das Magenbrot Nase und Gaumen verwöhnen.